{"id":298,"date":"2007-01-19T09:31:25","date_gmt":"2007-01-19T07:31:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tupperclub.de\/blog\/?p=298"},"modified":"2011-06-07T15:05:10","modified_gmt":"2011-06-07T14:05:10","slug":"kann-man-mit-16bit-farbtiefe-drucken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tupperclub.de\/blog\/?p=298","title":{"rendered":"Kann man mit 16bit Farbtiefe drucken? <i>(aktualisiert)<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder taucht in Fotoforen die Frage auf, ob es denn m\u00f6glich ist, Bilder mit 16bit Farbtiefe auszudrucken. Dieses Thema ist momentan auch deswegen interessant, weil es mit dem <a href=\"http:\/\/www.canon.de\/For_Work\/Products\/Professional_Print\/Large_Format\/iPF5000\/index.asp\">Canon ipf5000<\/a> einen ersten Drucker gibt, der mit einem Photoshop-Plugin ausgeliefert wird, um mit mehr als 8bit Farbtiefe zu drucken. \u00dcblicherweise kursieren die kuriosesten Meinungen zu diesem Thema. Aus diesem Grund habe ich mal etwas gr\u00fcndlicher recherchiert.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h3>Grundlagen<\/h3>\n<p>Dieser Artikel setzt ein Grundwissen \u00fcber die Farbdarstellung im Computer voraus. In der Regel wird die Farbe eines Bildpunktes (Pixel) aus Anteilen Rot, Gr\u00fcn und Blau zusammengesetzt. Man spricht dabei vom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/RGB-Farbraum\">RGB-Farbraum<\/a>. Die Farbtiefe (z.B. 8 Bit) gibt an, wie fein abgestuft die einzelnen Anteile der Farbkomponenten angegeben werden k\u00f6nnen. Bei einem Bild mit 8 Bit Farbtiefe kann jede Komponente mit 256 Abstufungen (2^8) angegeben werden, w\u00e4hrend dies bei einem 16 Bit Bild mit 65536 (2^16) Stufen m\u00f6glich ist.  <\/p>\n<h3>Windows<\/h3>\n<p>Das Framework zum Zeichnen von Grafiken (und damit auch zum Drucken) unter Windows hei\u00dft <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Graphics_Device_Interface\">GDI<\/a> bzw. seit Windows XP <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Graphics_Device_Interface#GDI.2B\">GDI+<\/a>. Die <a href=\"http:\/\/msdn2.microsoft.com\/en-us\/library\/system.drawing.color_members.aspx\">Funktionen zum Zeichnen<\/a> unterst\u00fctzen dabei Bildpunkte mit einer Farbtiefe von 8 Bit. Mit den Mitteln des Betriebssystems ist es also nicht m\u00f6glich, 16bit Bilder darzustellen und zu drucken. Das oben erw\u00e4hnte Photoshop-Plugin druckt also nicht \u00fcber das Betriebssystem, sondern unterh\u00e4lt sich direkt mit dem Drucker. Kurioserweise mu\u00df aber trotzdem der Druckertreiber installiert sein, um es verwenden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Mac OS X<\/h3>\n<p>Die Grafikbibliothek <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Quartz_2D\">Quartz 2D<\/a> ist in der Funktionalit\u00e4t relativ \u00e4hnlich zu GDI+, definiert Farben jedoch komplett anders. Die Anteile werden nicht als Zahl zwischen 0 und 255, sondern als Gleitkommazahl zwischen 0 und 1 angegeben (siehe <a href=\"http:\/\/developer.apple.com\/documentation\/Cocoa\/Reference\/ApplicationKit\/Classes\/NSColor_Class\/Reference\/Reference.html\">NSColor<\/a>). Damit steht eine viel h\u00f6here Genauigkeit zur Verf\u00fcgung, so da\u00df dadurch ein gr\u00f6\u00dferer Farbraum dargestellt werden kann. Damit k\u00f6nnen Anwendungen, die auf Cocoa basieren also den vollen 16bit Farbumfang ausnutzen. Dies war aber bereits auch in \u00e4lteren Anwendungen m\u00f6glich, da bereits <a href=\"http:\/\/developer.apple.com\/documentation\/Carbon\/Conceptual\/QuickDrawToQuartz2D\/tq_color\/chapter_4_section_2.html\">Quickdraw 16 Bit Farbtiefe<\/a> verwendet hat.<\/p>\n<h3>Die gro\u00dfe Ausnahme: PostScript<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/PostScript\">PostScript<\/a> spielt eher im Profi-Bereich eine Rolle und umgeht gro\u00dfe Teile der Funktionalit\u00e4t, die das Betriebssystem zum Drucken bereitstellt. Dabei wird der gew\u00fcnschte Seitenaufbau vom Programm in Anweisungen umgewandelt, die der Drucker umsetzt, um die Ausgabe zu erzeugen. Dadurch spielen die Beschr\u00e4nkungen der Grafikarchitektur des Betriebssystems prinzipiell keine Rolle. <\/p>\n<p>Farben werden dabei auf die gleiche Art und Weise repr\u00e4sentiert wie unter OS X (was wohl daran liegt, da\u00df die entsprechende Funktionaltit\u00e4t von OS X seine Wurzeln in <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Display_PostScript\">Display-PostScript<\/a> hat). Die genauen Details sind in Kapitel 4.8 der <a href=\"http:\/\/partners.adobe.com\/public\/developer\/en\/ps\/PLRM.pdf\">aktuellen PostScript Spezifikation<\/a> zu finden. Bilder k\u00f6nnen dabei als Pixeldaten mit bis zu 12 Bit Farbtiefe eingebettet werden (also mit 4096 Abstufungen pro Komponente, siehe Kapitel 4.10). Es kann also ein weit gr\u00f6\u00dferes Farbspektrum gedruckt werden kann als mit dem Windows Druckertreiber.<\/p>\n<h3>Technik<\/h3>\n<p>Ist eine so hohe Farbtiefe in der Praxis \u00fcberhaupt notwendig? Ein Drucker kann nur eine begrenzte Zahl an verschiedenen Farbt\u00f6nen darstellen. Alle anderen m\u00fcssen dadurch erzeugt werden, da\u00df mehrere Punkte mit verschiedenen Farben mit geringen Abstand gedruckt werden, um bei normalen Betrachtungsabstand eine gewisse Farbwirkung zu erzielen. Man spricht dabei von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dithering_%28Bildbearbeitung%29\">Dithering<\/a>. Jedes Pixel auf dem Bildschirm entspricht dabei also einer quadratischen Matrix von gedruckten Bildpunkten. (Siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dpi\">Wikipedia<\/a>). Die physikalische Aufl\u00f6sung von Tintenstrahldruckern (damit sind nicht diese Phantasiewerte von 2880dpi gemeint) reicht in der Praxis nicht f\u00fcr einen Farbumfang von 16Bit aus. Selbst der oben erw\u00e4hnte Drucker erzeugt &#8222;nur&#8220; Ausdrucke mit 12bit Farbtiefe. Dies d\u00fcrfte momentan auch das absolute technische Limit sein.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Drucken mit 16Bit bringt technisch momentan nur wenige Vorteile, da die physikalischen M\u00f6glichkeiten der Drucker begrenzt sind. Zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzen die Betriebssystemfunktionen von Windows nur eine Farbtiefe von 8 Bit, wenn man nicht den Umweg \u00fcber PostScript (oder spezielle Plugins) gehen m\u00f6chte. Da es immer schwieriger wird, sich am Markt von den Mitbewerbern abzugrenzen, ist davon auszugehen, da\u00df andere Hersteller auf diesen Zug aufspringen werden.<br \/>\nOb das wirklich n\u00f6tig ist, dar\u00fcber l\u00e4sst sich streiten.<\/p>\n<h3>Update 03. Februar 2007<\/h3>\n<p>Seit ich den Artikel geschrieben habe, wollte ich den unter Technik bereits angedeuteten Aspekt weiter ausbauen. Heute bin ich im Netz \u00fcber einen Artikel von Mike Chaney gestolpert (manchen vielleicht auch bekannt als Autor von Qimage): <a href=\"http:\/\/www.steves-digicams.com\/techcorner\/December_2006.html\">Hype or Hero Take 2: 16 Bit Printers<\/a>. Mike hat die technischen M\u00f6glichkeiten aus Sicht des Farbraums (sRGB vs. Adobe RGB vs. Prophoto RGB) betrachtet und teilt meine Einsch\u00e4tzung, da\u00df Drucken in 16bit eher als Hype einzusch\u00e4tzen ist. Viel Spa\u00df beim Lesen!<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu seinem Fazit m\u00f6chte ich gerne noch erg\u00e4nzen, da\u00df der gro\u00dfe Nachteil am Drucken \u00fcber ein Photoshop-Plugin ist, da\u00df es eben nur mit Photoshop funktioniert. Die Algorithmen f\u00fcr das Drucken \u00fcber das Plugin scheinen aber von den Entwicklern besser optimiert worden zu sein, als im normalen Druckertreiber. Alle die die z.B. mit InDesign einen Kalender machen k\u00f6nnen das Plugin nicht verwenden und m\u00fcssen auf den &#8222;normalen&#8220; Druckertreiber ausweichen (oder ein RIP verwenden). <\/p>\n<p>Bei den aktuellen Druckern sind diese Unterschiede vermutlich noch marginal, bei zuk\u00fcnftigen Modellen kann das schon ganz anders aussehen. Mikrochips auf den Tintenpatronen hatten anfangs auch nur die Aufgabe, eine genauere Angabe des F\u00fcllstandes zu erm\u00f6glichen\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder taucht in Fotoforen die Frage auf, ob es denn m\u00f6glich ist, Bilder mit 16bit Farbtiefe auszudrucken. 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