Toyota Prius Hybrid – eine „extended Probefahrt“

Nachdem mein Auto nach 11 Jahren und 250000 Kilometern so langsam altersschwach wird, bin ich auf der Suche nach einem verbrauchsgrünstigen Modell, mit dem ich meine 70 Kilometer zur Arbeit und zurück zuverlässig über die Bühne bringe.

Dabei war auch der Toyota Prius gut im Rennen. Nachdem die erste, kurze Probefahrt sehr vielversprechend war und eigentlich klar war, dass der Prius in der Stadt supertoll ist, habe ich mir mal einen für einen Langstreckenfeldversuch über einen längeren Zeitraum ausgeliehen. Damit ging es dann von Nürnberg über die A9 nach Ingolstadt. Die Strecke ist ziemlich hügelig und war daher gut geeignet, die Leistung vom Auto mal ernsthaft zu beurteilen. Die Ergebnisse waren zwiespältig.

Toyota Prius (Frontansicht)

Das Auto an sich ist ja sehr cool. Die Ausstattungsvariante war bei beiden Probefahrten ein Sol mit sehr viel Spielzeug, aber leider ohne Navi. Die Features wie Keyless Go, Radio mit mp3-Player, ein gut funktionierender Tempomat und ein umfassender Bordcomputer können sich auf jeden Fall sehen lassen, sowas gibt es bei anderen Autos nur gegen heftigen Aufpreis.

Toyota Prius (Blick auf das Cockpit)

Das Platzangebot überzeugt. Auf Vordersitzen und auch auf der Rückbank ist bequem Platz. Der Kofferraum ist relativ niedrig, kann aber durch Umklappen der Rückbänke noch vergrößert werden. Darunter befindet sich außerdem zusätzlicher Stauraum. Die Kopfstützen vorne sind für große Menschen allerdings zu niedrig und das Lenkrad läßt sich nur in der Höhe, aber nicht nach vorne und hinten verstellen. Es wirkt insgesamt etwas klein und gewöhnungsbedürftig. Aber sei es drum, für mich hat das gut gepasst.

Die Frage, was das absolut nutzloseste und nervigste Feature am ganzen Auto ist, kann man übrigens leicht beantworten: es piepst bem Rückwärtsfahren, und das läßt sich in der deutschen Variante auch nicht abstellen. Arg! Wer denkt sich sowas aus???

Ein großer Punkt beim Prius ist die Antriebsleistung und die Höchstgeschwindigkeit, weil der 80 PS Benzinmotor logischerweise nicht der Stärkste ist und der Elektromotor nur bei kurzzeitigen Lastspitzen helfend eingreifen kann. Darüber machen sich potentielle Interessenten sicher die meisten Gedanken. Allerdings zu Unrecht, denn dabei gibt es – realistische Erwartungen vorausgesetzt – gar nix zu meckern. Der Motor wird zwar, wenn man feste aufs Gas tritt, während der Beschleunigungsphase ziemlich laut. Aber kräftig ist er! Der Tempomat hält noch konstant Tempo 160 und man kann mit dem Auto (dann eher weniger energiesparend) den Kindinger Berg mit 170 km/h hochheizen. Dabei ist die Geräuschkulisse allerdings beachtlich.

Toyota Prius (in voller Aktion auf der Autobahn)

Die maximale Reisegeschwindigkeit, um gemütlich lange Strecken zu fahren, würde ich bei ca. 140 km/h ansetzen. Dabei hält sich der Verbrauch mit 6-7 Litern immer noch in Grenzen (daß dieser insgesamt relativ gering ist, sollte eigentlich klar sein). In der Stadt fährt das Auto sehr ruhig – so ruhig, daß man sich anfangs gerne mit der Geschwindigkeit verschätzt und schneller fährt, als man sich bewußt ist. Und Fußgänger erschrecken macht mit dem lautlosen Elektromodus nochmal mehr Spaß.

Das größere Problem – und für mich am Ende auch der K.O.-Kriterium – war aber, dass der Prius auf dem unebenen Untergrund (die A9 ist nicht mehr die Neueste…) einfach nicht wirklich ruhig gefahren ist. Das gesamte Auto hat sich leicht aufgeschaukelt. Darauf, ob das Fahrwerk dabei zu weich oder zu hart ist, kann ich mich aber nicht wirklich festlegen. Wir sind nur irgendwie leicht seekrank geworden… Bei der ersten Prius-Probefahrt war uns das nicht so krass aufgefallen. Aber in der Prius-Szene bietet das Fahrwerk generell Stoff für Diskussionen.

Fazit

Am Ende muss ich für mich festhalten: mit einem anderen Fahrwerk und der Option, dieses v******** Piepsen abzuschalten wäre der Prius echt mein Auto gewesen. So fahre ich aber leider doch zu oft lange Strecken, um mir einen zu kaufen. Bei einem höheren Anteil an Stadtfahrten hätte ich aber wirklich keine Bedenken.

6 Gedanken zu „Toyota Prius Hybrid – eine „extended Probefahrt““

  1. @Tobsen:
    Der Toyotahändler, bei dem wir wegen dem Prius waren, war hingegen ziemlich stolz auf die logistische Meisterleistung der Zentrale, millionenweise Werbeflächen zur gleichen Zeit gebucht zu haben. Das hat wohl Monate bis Jahre Vorlauf gekostet.

    Und irgendwie kann ich die Riesenaktion schon verstehen, wenn man bedenkt wieviel vom Corolla verkauft wurde und das der Auris jetzt die Nachfolge antreten und große Stückzahlen bringen soll.

    PS: So sehr interessiert, dass wir ihn und genauer angeschaut hätten, hat er uns dann aber trotzdem nicht 😉

  2. Hallo Autosuchende, nachdem das Thema Hybridfahrzeug bei euch scheinbar hoch im Kurs steht, solltet ihr auch mal einen Blick auf das zweite am Markt verfügbare Hybridfahrzeug in dieser Fahrzeugkategorie werfen: den Honda Civic. Dieser ist vom Konzept her zwar nur ein Mild-Hybrid braucht aber laut Autozeitung in der Praxis gerade mal 0.2 Liter Super mehr. Dementsprechend wäre diese Auto wirtschaftlicher…allerdings bei weitem nicht so bekannt (weil kaum beworben) und daher zum Angeben weniger geeignet 😉

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